Konservative lieben Nomen. Denn sie zeigen die Welt im Stillstand

Die Art, wie wir sprechen, zeigt, wie wir die Welt wahrnehmen. Und wie wir sie gerne hätten. Nomen zeigen die Welt in ihrem Stillstand. Sie beschreiben die Welt klar, fixiert und ohne Vieldeutigkeit. Deswegen verwenden Konservative Nomen häufiger als Linke und Liberale.

 

Links und Rechts beurteilen politische Fragen nicht nur unterschiedlich – sie unterscheiden sich in ihrer Persönlichkeit und nehmen dabei die Welt unterschiedlich wahr. Während erstere neue Erfahrungen machen wollen und kein Problem mit Veränderung haben, bevorzugen Konservative Beständigkeit, Ordnung und Struktur.  Linke und Liberale wollen die Welt entdecken und neue Erfahrungen machen. Für Rechte und Konservative ist sie bedrohlich.

Konservative verwenden Nomen häufiger als Linke

Das schlägt sich, wie eine Studie von einem Forscherteam rund um die Psychologin Aleksandra Cichoka zeigt, auch in der Sprache nieder. Denn Konservative verwenden Nomen (Hauptwörter) öfter als Linke und Liberale. Und das ist kein Zufall – denn die Art, wie sie die Welt erfahren und sie sich wünschen, passt eben besser zu Nomen als zu Verben und Adjektiven. Nomen präsentieren die Welt abgeschlossener.

So erklären die Wissenschaftler: „Dinge bei ihrem Namen zu nennen, anstatt ihre Eigenschaften zu beschreiben, wahrt Vertrautheit, Stabilität und Tradition – alles Sachen, die Konservativen wichtiger sind als Linken und Liberalen.“

Nomen verweisen auf den beständigen Teil der Welt, Verben auf den bewegten, Adjektive lassen Ambivalenzen zu. Der Satz „Ich bin Optimist.“ hat eine ganz andere Bedeutung als „Ich bin optimistisch.“ Wird das Nomen „Optimist“ verwendet, ist die Aussage abgeschlossen. Ein Optimist ist ein Optimist. Wer hingegen optimistisch ist, ist gerade jetzt oder in Bezug auf ein Ereignis optimistisch. Und das kann sich ändern – in einer anderen Situation ist man vielleicht pessimistisch. Einem Optimisten würde das nicht passieren.

Nomen zeigen die Welt im Stillstand – und das mögen Konservative

Nomen geben die Welt klar und definitiv wieder, sie zeugen von einem abgeschlossenen Blick auf die Welt. Nomen befriedigen das Bedürfnis nach klaren Strukturen, nach Sicherheit und nach Klarheit – eine Tendenz, die bei Menschen mit konservativem oder rechtem Weltbild weit verbreitet ist.

Das Bedürfnis nach „cognitive closure“ liegt konservativem und rechtem Denken in weiten Teilen zugrunde. Darunter versteht man die Tendenz, die Welt eindeutig wahrzunehmen und ihre Mehrdeutigkeit entweder zu ignorieren oder als störend zu empfinden. Vielschichtiges oder Widersprüchliches wird als Unordnung wahrgenommen – und diese muss sofort geordnet werden. Situationen, die nicht abgeschlossen sind, empfindet man als unbehaglich und unangenehm.

Und genau das verhindern Nomen. Der Satz „Maria ist Sportlerin“ verwendet ein Nomen, um Maria in eine eindeutige Kategoire einzuordnen. „Maria ist sportlich“ hingegen lässt viel mehr Möglichkeiten offen: Sie macht gerade gerne Sport, aber vielleicht in Zukunft nicht mehr. Vielleicht war sie nicht immer sportlich. Sportlich ist nur eine von vielen Eigenschaften. Das Adjektiv ‚sportlich‘ hält Möglichkeiten und Veränderung offen. Das Nomen „Sportlerin“ hält Maria fest.

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