Warum wir uns Witze einfach nicht merken

Es fällt uns schwer, Witze in Erinnerung zu behalten. Denn sie funktionieren auf eine Weise, die unserem Gedächtnis Schwierigkeiten bereitet. Witze spielen mit unseren Erwartungen und durchbrechen sie. Weil unser Gedächtnis über Muster funktioniert und Witze diese unterlaufen, bleiben sie uns so selten in Erinnerung.

 

Kaum etwas ist so schwierig zu merken wie ein Witz. Wir hören ihn, lachen, nehmen uns vor, ihn diesmal nicht zu vergessen. Und wenn wir ihn am Abend erzählen wollen – ist er wie weggewischt. Wir können uns noch an unser Lachen erinnern, an die Situation und an das, was wir davor oder danach besprochen haben. Nicht aber an den Witz.

Für die Psychologie und die Gehirnforschung sind derartige Phänomene besonders spannend. Diese Eigenheiten, die auf den ersten Blick banal wirken, verdeutlichen die komplexe und manchmal befremdliche Funktionsweise unseres Gehirns. Und sie verraten uns einiges darüber, wie unser Gedächtnis funktioniert.

Das Gedächtnis arbeitet mit Muster

Uns Gehirn ist kein Computer, unser Gedächtnis keine Festplatte. Für einen Computer macht es keinen Unterschied, ob die 240 Buchstaben, die man speichert, Sinn ergeben. Aber lernen wir einmal einen Absatz auswendig und eine sinnlose Buchstabenkombination – der Unterschied ist gigantisch.

Das Gedächtnis funktioniert in weiten Teilen über Muster. Sobald sich mehrere Informationen zusammenfügen lassen, organisiert das Gehirn diese Strukturen: Deswegen merken wir uns Geschichten leicht, Statistiken aber kaum. Wir erkennen Melodien auch nach zehn Jahren wieder, der Name der Band fällt uns trotzdem nicht ein. Je besser wir einzelne Informationseinheiten zusammenfassen und strukturieren können, desto besser sind sie erinnerlich.

Gute Witze durchbrechen Muster

Witze, die uns richtig zum Lachen bringen, durchbrechen alltägliche Muster. Genau deswegen sind sie auch lustig: Sie spielen mit unserer Erwartung, sie biegen sie, sie unterlaufen sie und sie brechen sie.

Die meisten gelungenen Witze funktionieren über den Moment der Überraschung. Wir erwarten etwas – und dann kommt es anders. Der Witz marschiert in eine Richtung los und dreht dann plötzlich in eine andere Richtung ab. Es passiert etwas Absurdes, etwas Erleichterndes oder etwas Dummes. Aber immer werden Muster durchbrochen. Witze funktionieren über den Moment des Unerwarteten.

Witze sind daher für unser Gedächtnis schwer zu fassen. Bei einer gewöhnlichen, typischen Geschichte reichen mir die Informationen über den Anfang und ich kann den Rest einigermaßen Rekonstruieren. Und die Muster sind bekannt und deswegen leicht zu merken.

Bei einem Witz, vor allem bei einem guten Witz, komme ich von der Ausgangssituation nicht zur Pointe – denn diese bricht ja gerade mit ihr. Und das macht es so schwer, ihn sich zu merken. Entweder wir erinnern uns an die Pointe oder an den Anfang. Aber weder das eine noch das andere hilft uns, den ganzen Witz zu rekonstruieren. Und da ich auch kein bekanntes Muster habe, das mir hilft, ihn abzuspeichern, verschwindet er so schnell.

Hinzu kommt, dass gute Witze oft subtil sind und nicht mehr funktionieren, wenn wir ein Detail vergessen. Sollten wir uns ausnahmsweise Anfang und Pointe gemerkt haben, fehlt noch immer etwas. Das merken wir, wenn wir den Witz weitererzählen, aber niemand lacht. Irgendetwas fehlt, aber man weiß einfach nicht, was.

Wir merken uns schlechte Witze besser als gute

Wenn wir uns Witze merken, sind sie garantiert schlecht. Denn wir merken uns klischeehafte Witze leichter. Witze ohne besondere Pointe, ohne Überraschung, ohne Nuancen – unser Gedächtnis kann sie in passende Muster fassen. Deswegen vergessen wir sie nicht so schnell.

Denken wir nur an Blondinenwitze: Sie funktionieren alle gleich. Haben wir einen verstanden, haben wir alle verstanden. Sie funktionieren alle nach demselben Schema, insofern sind sie leicht zu rekonstruieren.

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