Wie man kluge Entscheidungen trifft

Salat oder Pizza? Mietwohnung oder Eigenheim? Das Leben ist die Summe unserer Entscheidungen. Was der französische Schriftsteller Albert Camus bereits vor langer Zeit feststellte, gilt heute mehr denn je. Nie waren die Möglichkeiten so vielfältig, nie war die Auswahl so groß. Aber wie gut sind wir eigentlich darin, Entscheidungen zu treffen? Ein Blick hinter die Kulissen.

 

Beginnen wir mit einer kleinen Denkaufgabe:

Ein Schläger und ein Ball kosten 1,10 Euro.

Der Schläger kostet einen Euro mehr als der Ball.

Wie viel kostet der Ball?

Den meisten Leser*innen wird diese Denkaufgabe keine große Mühe bereiten – die Antwort erscheint ganz intuitiv vor unserem geistigen Auge.

Das sollte uns auch nicht weiter verwundern. Schließlich zeichnen wir uns als Menschen gerade dadurch aus, dass wir die Fähigkeit besitzen abstrakte Zusammenhänge zu verstehen, analytisch zu denken und rationale Entscheidungen zu treffen. Das unterscheidet uns vom Tier. Darum bauen wir Wolkenkratzer und Flugzeuge.

Der Glaube an die menschliche Rationalität ist tief in unserem Selbstverständnis verankert. Bereits in der griechischen Antike haben die Philosophen im Logos, dem geistigen Vermögen Vernunft hervorzubringen, ein zentrales Charakteristikum der menschlichen Existenz identifiziert. Gute 2000 Jahre später hat der schottische Moralphilosoph Adam Smith, der bis heute als Begründer der modernen Ökonomie gilt, die Vorstellung der alten Griechen aufgegriffen, mit einer kräftigen Prise Egoismus verfeinert und damit ein Menschenbild geschaffen, das 250 Jahre später stärker denn je das akademische Denken prägt.[1] Bis heute steht der rationale Akteur, der Homo oeconomicus, im Zentrum der volkswirtschaftlichen Anthropologie. Soviel zur Theorie.

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Kann der real existierende Mensch den Idealen der Ökonomen gerecht werden?

Kehren wir zu unserer Denkaufgabe zurück. Wie viel kostet der Ball? Die richtige Antwort lautet 5 Cent – und nicht, wie Sie vielleicht angenommen haben, 10 Cent.

Falsch: 10 Cent (für den Ball) + 1,10 Euro (für den Schläger) = 1,20 Euro

Richtig: 5 Cent (für den Ball) + 1,05 Euro (für den Schläger) = 1,10 Euro

Wenn Sie die Aufgabe richtig gelöst haben, gratuliere ich Ihnen recht herzlich. Wenn nicht, machen Sie sich keinen Kopf. Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Vier von fünf Menschen liegen daneben. Und selbst in den Eliteschmieden von Harvard und Princeton scheitert gut die Hälfte an der Aufgabe.[2]

Wie rational sind wir also wirklich, wenn wir bereits bei einer scheinbar einfachen Aufgabe mehrheitlich an unsere Grenzen stoßen?

Eine einfache Formel gibt es nicht

Der Psychologe Daniel Kahneman arbeitet in seinem vielbeachteten Hauptwerk „Schnelles Denken, Langsames Denken“ eine Unzahl kognitiver Verzerrungen heraus, die guten Entscheidungen im Weg stehen. Das bloße Wissen darüber, ist zwar noch keine Garantie für bessere Entscheidungen – Kahneman selbst ist diesbezüglich eher pessimistisch – aber es eröffnet uns die Möglichkeit, aus unseren Fehlern zu lernen.

Wer sich seiner Grenzen bewusst ist, kann Maßnahmen setzen und Strategien entwickeln, um bessere Entscheidungen zu treffen. Wer sich seiner Grenzen nicht bewusst ist, fliegt weiterhin im Dunklen und muss sich auf das Prinzip Hoffnung verlassen.

Die gute Nachricht: Wir müssen das Rad nicht (ganz) neu erfinden

Die Erkenntnisse der Sozialpsychologie und der Verhaltensökonomie bieten eine wissenschaftlich fundierte Grundlage und können uns als Kompass der guten Entscheidungen dienen – wir müssen nur lernen, damit zu navigieren.

In Teil 2 widmen wir uns dem Thema Geld und stellen die Frage, wie man kostspielige Bruchlandungen bei finanziellen Entscheidungen vermeiden kann.

 

Mehr über die Kunst der Entscheidung

Teil 1: Wie man gute Entscheidungen trifft

Teil 2: Kaufen oder nicht kaufen

 

Fußnoten

[1] Die Frage, ob Smith nur falsch verstanden wurde, soll und kann hier nicht beantwortet werden – am Ergebnis ändert es soundso nichts.

[2] Vgl. Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken. München 2012. Seite 61f.

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