Die SPÖ kommuniziert schlecht. Denn sie hat zu wenig zu sagen.

Die SPÖ kommuniziert schlecht. Daran besteht kein Zweifel. Aber nicht, weil sie auf die falschen Kommunikationsexperten setzt. Sondern weil sie nicht weiß, was sie sagen will.

 

Die SPÖ verliert angeblich Wahlen, weil sie schlecht kommuniziert. Oder wie ihr neuer Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch erklärt: „Wir sind mit unseren Botschaften nicht durchgedrungen.“ Man setzt auf die richtigen Themen, bringt diese aber nicht an die Wähler – so analysiert die Spitze der Sozialdemokratie nach jeder Wahl. Und ja: Die SPÖ kommuniziert schwach. Daran besteht kein Zweifel. Wann hat die SPÖ das letzte Mal eine Debatte dominiert? Wann hat sie das letzte Mal ein Thema gesetzt, über das monatelang diskutiert wurde? Eben.

Wenn man schlecht kommuniziert, muss man bloß an der Kommunikation arbeiten. Ganz einfach. Deswegen engagiert man teure Kommunikationsexperten, Agenturen und Berater. Um dann festzustellen: Es hat schon wieder nicht funktioniert.

Schlechte Kommunikation ist wie Knieschmerzen. Nur weil das Knie schmerzt, heißt das noch lange nicht, dass das Knie die Ursache ist. Vielleicht ist es eine Fußfehlstellung, vielleicht liegt es an der Oberschenkelmuskulatur, vielleicht liegt es am Knie. Will man verstehen, warum die SPÖ so schlecht kommuniziert, muss man tiefer greifen.

Warum Menschen schlecht kommunizieren

Wer professionell kommunizieren möchte, braucht entsprechende Techniken. Aber das allein ist nicht genug. Denn die grundlegendste Voraussetzung muss auch erfüllt sein: Man muss wissen, was man sagen will. Und man muss es sagen wollen. Stellen wir uns einen zehnjährigen Buben vor, der unbedingt ein Fußballspiel am Samstagabend sehen will. Er freut sich schon seit einer Woche darauf. Er denkt an nichts anderes. Selbst wenn er von Geburt an stottert, gerade heiser ist und seine Mutter schwerhörig ist: Sie wird verstehen, dass er sich das Spiel unbedingt ansehen möchte. Er weiß, was er will und deswegen kommt die Botschaft auch an.

Schlecht kommunizieren wir hingegen, wenn wir nicht genau wissen, was wir sagen wollen. Sobald uns Klarheit fehlt, stocken wir.

Wenn mich jemand fragt, ob ich ins Theater mit will, stammle ich: Auf der einen Seite will ich gebildet wirken, auf der anderen mag ich Theater nicht. Es besteht ein Konflikt, der eine stimmige Kommunikation verhindert. Und da bereits in mir keine Klarheit besteht, kann ich auch nicht klar kommunizieren. Ohne genau zu wissen, was man sagen will, kann man nicht eindeutig kommunizieren.

Warum kommuniziert die SPÖ so schlecht?

Genau darin besteht das wesentliche Problem der SPÖ – und die sogenannten Kommunikationsfehler sind in weiten Teilen eine Folge davon. Das Knie schmerzt, aber die Ursachen liegen woanders: Der SPÖ sind die Inhalte abhandengekommen. Seit den 1990ern hat sich die Partei ideologisch ausgedünnt. Sie hat keine Vision mehr, keine umfassende Vorstellung davon, wie Österreich aussehen soll. Sie hat kein Anliegen, dass ihr wirklich wichtig ist. Seit 30 Jahren trommelt die FPÖ gegen Migration. Welches Thema hat die SPÖ auch nur fünf Jahre konsequent verfolgt, immer wieder angesprochen? Genau. Keines.

Das heißt nicht, dass einzelne Funktionäre nicht für ein Thema stehen. Aber was sind die ein, zwei, drei Themen für die die gesamte SPÖ brennt? Themen, die die ganze Partei von der Spitze bis zur Basis und zurück immer und immer wieder diskutiert und einfordert? Und zwar so, wie der zahnjährige Bub, der sein Fußballspiel um alles in der Welt sehen möchte.

Nehmen wir anderen Politiker. Was will Donald Trump? Eine Mauer. Was will die FPÖ? Strenge Migrationspolitik. Was will Bernie Sanders? Staatliche Gesundheitsvorsorge für alle. Was wollen die Grünen? Klimaschutz. Ihnen ist allen gemein: Sie stehen für ihre Themen seit Jahr und Tag. Sie sind eins mit dem Thema. Sie rücken nicht davon ab.

Wer auf Themen setzt, hat schon verloren. Wer das Thema ist, kann gewinnen.

Die SPÖ hingegen setzt auf Themen. Der Vorschlag, die Mehrwertsteuern auf Mieten abzuschaffen, kam aus dem Nichts. Die Idee war auf einmal da und dann wieder weg. Hohe Erbschaften zu besteuern ist zwar seit einigen Jahren Parteilinie, allerdings mit Unterbrechung. Mal war man sehr dafür, dann weniger, dann war es unklar, dann war man wieder dafür. So können Ideen keine Energie erzeugen und auch nicht klar kommuniziert werden. Da hilft auch der beste PR-Profi, die teuerste Werbeagentur und der beste Redenschreiber nichts.

Ständig versucht die SPÖ, auf Themen zu reagieren und dafür Konzepte vorzuschlagen. Das ständige Herumhüpfen sorgt dafür, dass die Themen bei vielen die Schwelle der Wahrnehmung gerade einmal überschreiten. Aber Energie können sie nicht erzeugen – da man schon wieder auf das nächste Thema setzt.

Als die Sozialdemokratie gegründet wurde, musste sie nicht auf Themen setzen. Sie entstand, weil Menschen ihre Rechte einforderten, weil Arbeiter nicht mehr in Löchern hausen wollten. Und es stellte sie gar nicht die Frage, auf welches Thema man setzen sollte. Man wollte ein besseres Leben für alle – und das bedeutete für die frühen Sozialdemokraten automatisch: Demokratie, menschenwürdige Wohnungen und 8-Stunden-Tag. Das ist der SPÖ abhandengekommen.

Anstatt auf Themen zu setzen, müsste die SPÖ wieder eins werden mit ihren Themen. Und dafür muss ihr klar werden, was sie will. PR-Experten werden ihr dabei nicht helfen. Sondern nur an der Krise der Partei verdienen.

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