Was uns der nigerianische Prinz, der uns Millionen verspricht, über Psychologie lehrt

Ein nigerianischer Prinz nimmt mit uns via E-Mail Kontakt auf und verspricht uns Geld. Viel Geld. Denn er möchte sein Vermögen außer Landes bringen. Dafür braucht er er aber ein Konto. Zuerst aber will er überprüfen, ob dein Konto auch echt ist. Also bittet er, dass du ihm einmal 2000 Dollar überweist. In wenigen Tagen wird er die Millionen überweisen und 20% davon gehören dir. E-Mails dieser Art haben wir alle schon unzählige Male erhalten.

Glaubt man der New York Times, werden diese Nachrichten seit den späten 1980er Jahren verschickt, damals noch per Post. Und so absurd uns diese Mails vorkommen, sie funktionieren. In Nigeria gibt es eine kleine Szene, um die 60.000 Dollar pro Jahr verdienen sie mit ihrem Betrug. Aber auch in den USA und Europa setzen Betrüge auf diese Masche. Global geht es jährlich um hohe Millionenbeträge.

Warum haben Betrüger wie er nach wie vor Erfolg? Was sind ihre Methoden und warum fallen manchmal auch kluge Menschen auf sie herein?

Die absurden Mails wirken wie Filter

Die E-Mails sind voller Fehler, die Beträge absurd hoch. Das scheint jedoch Absicht zu sein. Die haarsträubenden E-Mails wirken wie ein Filter. Nur wer auf derart verrückte Geschichten reagiert, wird infolge auch bereit sein, Geld zu überweisen.

Auch die enorme Höhe der Geldbeträge sind wohl kein Zufall. Sondern folgen dem Prinzip des Primings. Priming ist ein psychologischer Prozess, bei dem ein Reiz gesetzt wird, der weitere Inhalte im Gedächtnis unbewusst aktiviert. Neben gigantischen Beträgen sehen hohe Beträge kleiner aus. Und wer sich auf den Prinzen einlässt, handelt die 2000 Dollar vielleicht noch auf 500 runter. Immer noch ein hoher Betrag, der jetzt aber nach einem niedrigen aussieht.

Wie fallen auf Betrüger herein – weil wir uns selbst überschätzen

Anders als Hacker setzt der nigerianische Prinz nicht auf technische Mängel – sondern nutzt menschliche Schwächen aus.

Menschen haben sich evolutionär in kleinen Gruppen entwickelt. Und ihre Gehirne sind nicht darauf ausgerichtet, Fremde zu verstehen. Aus diesem Grund schreiben wir Unbekannten schnell Eigenschaften zu, von denen wir eigentlich nichts wissen können. Und wer nicht skeptisch wird, meint in dem Unbekannten schnell einen freundlichen Bekannten zu erkennen.

Dazu kommt, dass viele Menschen ihre eigenen Erfahrung und Intelligenz überschätzen und ihre Zukunft zu positiv sehen. Deswegen glauben wir nicht, dass uns etwas Schlechtes zustoßen wird. Oder dass ausgerechnet wir betrogen werden.

Den Fuß in die Tür bekommen

Daneben versuchen die Betrüger einmal, den Fuß in die Tür zu bekommen. Sie bitten um einen Ratschlag, der gar nichts mit dem Geld zu tun hat. Sondern mit einem Tipp für einen Urlaubsort oder ein Studium. Dann gehen sie Schritt für Schritt weiter und aus Tipps werden Gefallen und irgendwann geht es um Geld.

Studien zeigen, wie es Menschen schwer fällt, von einem einmal eingeschlagenen Weg wieder abzukehren. Selbst wenn sich die Umstände ändern und schlechter werden, bleiben sie dabei. Denn es ist emotional schwierig, sich einen Fehler einzugestehen und kognitiv anstrengend, sich eine neue Strategie zu überlegen. Natürlich: In vielen Fällen werden Menschen merken, dass sie betrogen werden. Und brechen den Kontakt ab. Aber je mehr Schritte sie bereits gegangen sind und je involvierter sie bereits sind, desto schwieriger wird der Abbruch.

Tinder statt Prinzen

Auf den nigerianischen Prinzen selbst fällt heute kaum noch jemand herein. In den letzten Jahren wurde aus ihm immer öfter ein syrischer Regierungsvertreter.

In jüngerer Zeit bedienen sich die Betrüger aber vor allem Dating-Plattformen. Darüber bauen sie eine emotionale Beziehung mit ihren Opfern auf und bekommen so einen Fuß in die Tür. Beginnend bei kleinen Gefallen werden daraus bald größere. Oder es passiert etwas Heftiges, weswegen sie dringend Geld brauchen.

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