Die Trümmerfrauen – eine erfundene Legende

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges lagen die Städte Deutschlands und Österreichs in Schutt und Asche. Während die Männer tot oder in Gefangenschaft waren, sollen die Frauen die Sache selbst in die Hand genommen haben. Angeblich schaufelten sie den Schutt mit Leibeskraft beiseite, schleppten Ziegel mit bloßen Händen und legten so den Grundstein für den Wiederaufbau. Nur: Das ist eine Legende, die nicht stimmt.

Eine erfundene Legende

Nur wenige Frauen beteiligten sich an den Aufräumarbeiten nach dem Krieg. Es waren ehemalige Parteigänger der Nationalsozialisten und Kriegsgefangene, die zwangsverpflichtet wurden. Allerdings: Schon bald merkte man, dass die Arbeit mit Laien kaum vorankam. Vor allem im Westen setzte man bald auf professionelle Bauarbeiter, die mit schwerem Gerät natürlich viel schneller und effizienter arbeiteten. Im Osten wurden auch Arbeitslose eingesetzt – darunter waren tatsächlich Frauen.

Die Frauen, die bei den Aufräumarbeiten als Hilfsarbeiterinnen mitwirkten, wurden – vor allem in Berlin – vom Arbeitsamt dazu verpflichtet. Dafür erhielten sie Essensmarken. Von freiwilliger Arbeit war keine Rede. Und: Die Tätigkeit war stigmatisierend. Wer als Frau diese Arbeiten verrichtete, war keineswegs angesehen. Im Gegenteil.

Von den zahllosen, freiwilligen Frauen, die mit bloßen Händen anpackten und den Schutt aus Liebe zur Heimat wegräumten, findet sich so gut wie keine Spur.

Das mag auch erklären, warum damaligen Zeitungen nicht von den Trümmerfrauen berichteten: Weil es die Frauen, die freiwillig Schwerstarbeit verrichteten, schlicht nicht gab.

Trümmerfrauen kennen wir erst seit den 1980ern

Der Mythos der Trümmerfrau tauchte erst in den 1980ern auf – zumindest in Westdeutschland und Österreich. In der DDR setzte man ab den 1950er Jahren auf die Legende der Trümmerfrauen – sie waren ein Zeichen für weibliche Emanzipation und Gleichberechtigung.

In Westdeutschland und Österreich hingegen passte das Bild so gar nicht zum damaligen Frauenbild. Dort sollte sich die Frau um Kinder, Heim und Herd kümmern. Und nicht in die Welt der Männer vordringen. Das änderte sich erst in den 1980er Jahren. Und der Mythos der Trümmerfrauen breitete sich aus.

 

Buchtipp: Leonie Treber: Mythos Trümmerfrauen: Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes

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