Was sexy Selfies mit sozialer Ungleichheit zu tun haben

Sexy Fotos, Schönheitssalons oder Kleiderkauf – sie hängen mit sozialer Ungleichheit zusammen. Und zwar enger, als mit Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Schönheit wird zur Konkurrenz-Strategie in ungleichen Gesellschaften.

Frauen werden erotisch dargestellt. In der Werbung. In Filmen. In Magazinen und Zeitungen. Gemeinhin wird diese Darstellung auf die Macht der Männer über die Frauen zurückgeführt. Frauen würden sich vor allem dann verstärkt um ihr Aussehen kümmern, wenn sie unter starkem männlichen Druck stehen. Sie würden dann die Rolle spielen, die Männer ihnen vorschreiben, wenn sie weniger Einfluss, weniger Einkommen oder weniger Rechte hätten. Sie müssten leben und sich darstellen, wie es die Männer wollen: ergeben, für Haushalt und Kinder zuständig – und sexy.

Sexy Selfies, wenn die soziale Ungleichheit steigt

Eine Studie der australischen Psychologien Khandis Blake zeigt nun aber, dass diese These zu kurz greift. Und den aktiven Teil, den Frauen darin spielen, ausblendet.

Die Studie analysiert zehntausende Fotos in den sozialen Medien und betrachtet, in welchen Gegenden der USA sexy Fotos von Frauen häufiger vorkommen. Dabei stellten sie fest, dass es Frauen häufiger dort sexy Selfies posten, wo die soziale Ungleichheit zunimmt. Auch das Interesse an Schönheitssalons oder Kleiderkauf steigt mit sozialer Ungleichheit.

Nach der herkömmlichen Auffassung müssten sich Frauen vor allem dort um ihr Aussehen und ihr Auftreten kümmern, wo sie Männern gegenüber benachteiligt werden. Genau das aber scheint nicht der Fall. Geschlechterunterschiede bei Einkommen, Bildung oder Beschäftigung korrelieren damit kaum. Soziale Ungleichheit hingegen schon.

Sexualisierung: Eine Strategie für den sozialen Aufstieg

In ungleichen Gesellschaften haben Menschen über alle soziale Schichten hinweg mehr Statusängste und ein ausgeprägteres Konkurrenzdenken. Man sieht Mitmenschen eher als Konkurrenten und steht oftmals unter Druck, den eigenen Status zu verteidigen und soziale voranzukommen.

Die Forscherin führt die Sexualisierung auf vor allem weibliche Strategien zurück, mit sozialer Ungleichheit umzugehen. Sexy aufzutreten kann einer Frau in unserer Gesellschaft viel bringen: Ob es einem passt oder nicht, Frauen haben soziale und persönliche, sogar ökonomische Vorteile.

“Aus evolutionärer Sicht ist dieses Verhalten vollkommen rational, eine Form von Anpassung. Die grundlegende Idee ist, dass es wichtig ist, wie Menschen um Partner konkurrieren und wie sie selbst an die Spitze der Hierarchie kommen wollen. Und hier passt die Studie genau hinein – es geht darum, wie Frauen konkurrieren und warum sie es tun“, so Blake.

Sexualisierung scheint also weniger ein Ausdruck für die Macht der Männer über die Frauen zu sein. Sondern für eine Konkurrernz-Gesellschaft.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s