Trump auf Twitter: Er weiß, was er tut

Trump und Twitter, die beiden gehören zusammen. Wenn Trump etwas zu sagen hat, dann über Twitter. Und er hat viel zu sagen. Im Durchschnitt sieben Mal pro Tag.

Twittern wie ein Kind?

Den Talkshows liefern seine Tweets Lacher, der Opposition Kopfschmerzen und den Medien Aufreger. Er schreibe wie ein kleines, wütendes Kind – wild, unkalkuliert, mal angeberisch, mal beleidigend. Eine Peinlichkeit folge der nächsten. Nur: Nichts ist falscher.

Wie kaum ein anderer beherrscht der gegenwärtige US-Präsident den Umgang mit den Medien. Seine Tweets bilden die Spitze einer intelligenten Medienstrategie, mittels derer er die politische Diskussion beherrscht.

Ein Werkzeug, mit dem er die Nachrichten kontrolliert

Trump – sofern er tatsächlich selbst twittert – setzt seine Tweets gezielt ein. Der amerikanische Sprachwissenschaftler George Lakoff meint, vier Strategien zu erkennen, in die sich alle Tweets einfügen.

 

Das erste Wort

Trump will zunächst jedes Thema präventiv zu framen. Damit legt er die Koordinaten fest, in denen sich das Thema bewegt. Und er bestimmt, welche Aspekte wichtig sind und welche nicht. Seine rüpelhaftes Auftreten nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. Er schimpft und seine politischen Gegner wiederholen seine Botschaft eins zu eins – weil sie hoffen, dass sie damit sein schäbiges Auftreten aufzeigen. Die Talk-Shows wiederholen seine absurdesten Tweets, weil sie zeigen wollen, wie dumm Trump ist. Aber in beiden Fällen wiederholen sie seine Botschaft – und verstärken sie.

Insofern ist es auch kein Zufall, dass Trump seine Tweets am häufigsten in der Früh absetzt. Die Medien greifen seine Worte auf und er kontrolliert, wie und worüber diskutiert wird.

Ablenkung

Mindestens genauso wichtig ist Ablenkung. Kommt ein für ihn unangenehmes Thema auf, provoziert er einen Skandal. Er greift Schauspielerinnen an, spricht Basketballspielern die Intelligenz ab oder beleidigt andere Politiker. Und schon ist die öffentliche Aufmerksamkeit woanders – und zwar dort, wo sie ihm nicht weh tut. Niemand, der Trump noch die Treue hält, wird sich jetzt noch aufgrund seines beleidigenden Verhaltens von ihm abwenden. Hingegen könnte er Wähler verlieren, wenn die Rußland-Affäre oder die Abschaffung der öffentlichen Gesundheitsvorsorge breiter diskutiert werden.

Die Kritiker werden angegriffen

Anstatt sich mit Kritik auseinanderzusetzen – kritisiert er die Kritiker. Medien wird vorgeworfen, Fake-News zu produzieren, Journalisten werden diffamiert, oppositionelle Politiker beschimpft. Trump geht dabei sehr intelligent vor. Er geht nie auf die Inhalte ein, sondern nur auf den, der sie äußert. Daran zeigt sich, wieviel er von Kommunikation versteht. Wenn er die Kritik zurückweisen und sich mit ihr auseinandersetzen würde, würde er die Koordinaten seiner Kritiker akzeptieren – und damit ihr Spiel spielen. Genau das macht er aber nicht. Und weil er dabei laut und vulgär ist, funktioniert seine Strategie. Natürlich: Er beschädigt damit die politische Öffentlichkeit und verunmöglicht ernsthafte Debatten.

Testballons

Immer wieder nutzt Trump Twitter auch, um Positionen zu testen. Wie reagiert die Öffentlichkeit, wie reagieren seine Anhänger? Sind die Reaktionen negativ, hören wir von dieser Meinung länger nichts mehr. Stimmen ihm seine Anhänger zu, folgen weitere Tweets.

Warum man Trump nicht retweeten sollte – auch nicht, um über ihn zu lachen

Wer Trumps Nachrichten weiterverbreitet – der verbreitet sie weiter. Die Tweets sind gut getextet, sein beleidigender Stil bleibt in Erinnerung. Auch noch nach Tagen können wir uns daran erinnern, was er geschrieben hat.

Auch wenn man darüber lacht oder einen bösen Kommentar dazu abgibt – man erweitert seine Reichweite. Und genau das ist intendiert. Trump setzt auf Beleidigungen und Beschimpfungen, weil er weiß, dass diese Botschaften hängen bleiben. Wer ihn retweetet, um zu zeigen wie dumm er ist, macht genau das, was er will: die Botschaft verbreiten.

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