Wie man mit Gerüchten richtig umgeht

Fake-News, Gerüchte, Halbwahrheiten. Sie verbreiten sich in Windeseile, selbst die absurdesten Geschichten werden geglaubt. Zwei neuerer Studien zufolge tragen auch Versuche, über sie aufzuklären, zu ihrer Verbreitung bei.

Klebrige Gerüchte

“Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht”, stellte bereits Mark Twain fest. Wie weit die Wahrheit mit ihren Schuhen aber kommt, sehen wir tagtäglich: Meist nicht sehr weit.

Gerüchte sind hartnäckig. Sie verbreiten sich in Windeseile und sind kaum zu stoppen. Und wer einmal an sie glaubt, ist kaum mehr vom Gegenteil zu überzeugen.

Aber es kommt noch schlimmer: Zwei Studien (1,2) zeigt nun, wie selbst die Versuche, über Gerüchte und Falschinformationen aufzuklären, diese noch einmal verstärken.

Wer aufklärt wiederholt. Und Wiederholung verstärkt.

Die beiden Studien beschäftigten sich mit den sogenannten Obama- Todesgremien. Angeblich könnten infolge Obamas Gesundheitsreform bestimmte Gremien darüber entscheiden, wer behandelt werden darf und wer nicht. Alte Menschen oder Babys mit Down-Syndrom, so das Gerücht, würden nicht mehr ärztlich versorgt werden, sondern dem Tod überlassen. Die Geschichte war frei erfunden.

Die Teilnehmer der Studien erhielten Informationen über die Gerüchte und Erklärungen, was und warum diese falsch seien. Der Anteil derer, die den Gerüchten und nicht den Erklärungen trauten, wurde nicht geringer. Sondern er wuchs.

Denn:

Indem man Menschen zeigt, dass ein Gerücht falsch ist, wiederholt man dieses auch. Und die bloße Wiederholung verstärkt es. Das Gerücht wird vertrauter. Unser Gehirn hält Aussagen dann für wahrer, wenn es sie diese bereits zum wiederholten Male hört. Die Verneinung hingegen wird schwächer gespeichert.

Aufklärung verstärkt Gerüchte – aber nicht bei allen gleichermaßen

Wer bereits mit dem Gerücht vertraut war und dieses auch glaubte, fühlte sich in seiner Meinung nach wenigen Tagen bestärkt. Und er vertrat sie bei einer Überprüfung noch vehementer. Wer jedoch nur am Rande von dem Gerücht gewusst hat, war offen für die Aufklärung. Insgesamt nahm der Glaube an die Todes-Gremien jedoch trotzdem zu.

Warum Gerüchte kleben?

Warum sind Gerüchte so hartnäckig, vor allem in der Politik? Passt ein Gerücht gut in unsere Weltanschauung, wird es besonders schnell geglaubt. Wer meint, die Regierung würde vor nichts zurückschrecken, um ihre Interessen durchzusetzen – der glaubt auch eher, der 11. September sei in Wahrheit ein Inside-Job gewesen.

Gerüchte sind kurze Geschichte, die vorgeben, ungetrübt auf die Realität zu blicken. Wer das Gerücht glaubt, meint auch, mehr als sein Umfeld zu verstehen. Bedenkt man daneben, wie stark die Gefühle sind, die mit Gerüchten einhergehen – dann sieht man schnell, wieso Aufklärung nur wenig Chance hat.

Chancenlos gegen Gerüchte?

Gerüchte sind schwer zu bekämpfen. Und wer in der Politik Gerüchte, Halbwahrheiten und Lügen verbreitet, hat einen Vorteil. Keine Frage.

Einzelne Gerüchte wird man kaum los. Eine Möglichkeit besteht darin, jemanden zu finden, dem das Gerücht hilft – und der es trotzdem zurückweist. Denn so jemand hat besonders viel Glaubwürdigkeit. Allerdings findet man nur sehr selten jemanden, der das auch macht.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Fakten zu veröffentlichen – allerdings ohne auf das Gerücht selbst einzugehen oder es nur nebenbei zu erwähnen. Und dann keinesfalls zu Beginn – also zuerst die Wahrheit und dann ein Hinweis auf das Gerücht. Entscheidend dabei ist, besonders auf eine einfache Sprache zu achten und die Fakten in eine Geschichte zu packen. So bleiben sie am besten erinnerlich.

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