Wurde beim Stanford Prison Experiment betrogen?

Das Stanford Prison Experiment ist eines der bekanntesten und verstörensten psychologischen Experimente. Nun verdichten sich aber die Hinweise, dass der Psychologe Philipp Zimbrado dabei getrickst hat.

Das Experiment

Das Experiment erzählt uns eine Geschichte über das Böse: Es schlummert in uns allen und es braucht lediglich die richtigen Rahmenbedingungen, um zu erwachen.
Zambrado bezahlte 18 Studenten, die Wärter und Gefangene in einem nachgebauten Gefängnis spielen sollten. Sich selbst überlassen, eskalierte die Situation bereits nach zwei Tagen. Die Wärter hatten die Gefangenen derart schlecht behandelt, dass es zu einem Aufstand kam – der wiederum brutal niedergeschlagen wurde. Die Gefangenen musst ihre Toiletten mit den Händen putzen, ihre Kleidung abgeben und mitten in der Nacht zu Zählappellen antreten. Nach sechs Tagen wurde das Experiment abgebrochen. Vier Insaßen waren davor zusammengebrochen und aus dem Gefängnis entlassen worden.
Zambrado folgerte: Selbst durchschnittliche und anständige Bürger würden in einer Situation, in der es ein deutliches Machtgefälle gibt, ihre Macht ausnutzen und ihrem Sadismus freien Lauf lassen.
So lautet zumindest die offizielle Darstellung.

Kritik

Kritik am Experiment wurde bald laut. Man wies darauf hin, dass die Wärter nicht einfach ihre Macht ausnutzten – sondern anscheinend im Glauben waren, dies tun zu müssen. In den Jahren nach dem Experiment meldeten sich Teilnehmer zu Wort und erklärten, sie hätten die Psychologen nicht enttäuschen wollen. Und hätten daher begonnen, sich wie Schauspieler zu verhalten. Einer der Wärter soll sich sogar einen bösartigen Südstaatenakzent zugelegt haben.
Auch ein Versuch der beiden Psychologen Alexander Haslam und Stephen Reicher, das Experiment zu wiederholen, scheiterte. In ihrem Fall verhielten sich die Wärter passiv und es kam zu keinen nenneswerten Vorfällen.

Vorgetäuschter Zusammenbruch, Druck auf die Wärter

In jüngerer Zeit tauchten nun vermehrt Hinweise auf, es sei auch bewusst getäuscht worden. Ein Tonmitschnitt etwa belegt, wie die Psychologen Druck auf einen Wärter ausüben: Er solle sich gegenüber den Gefangenen aggressiver verhalten. Mit der eigentlichen These, Menschen würden von sich aus ihre Macht rücksichtslos ausnutzen und ohne äußeres Zutun Wehrlose drangsalieren, passt das nun gar nicht zusammen. Anscheinend hatte man einiges dafür getan, um die Situation eskalieren zu lassen.
Auch ein ehemaliger Gefangener hat sich nun zu Wort gemeldet: Er habe an der Studie teilgenommen, weil er ein wenig Geld verdienen wollte – und weil meinte, er könne währenddessen in seiner Zelle für eine Prüfung lernen. Nachdem ihm aber bald klar wurde, dass dies nicht möglich sei, hatte er gebeten, gehen zu dürfen. Das wurde ihm aber verweigert, also täuschte er seinen psychischen Zusammenbruch vor – daraufhin wurde er entlassen und konnte wieder für seine Prüfung lernen.

Fazit

Zimbrado steht – auch nachdem er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde – nach wie vor zu seiner Studie und ihren Ergebnissen.
Das Stanford Prison Experiment sollte aber nicht nur wegen der neuen Erkenntnisse hinterfragt werden. Denn es passt mit unserer Alltagserfahrung nicht vollständig zusammen: Ja, Menschen neigen dazu, ihre Machtposition auszunutzen – vor allem, wenn sie dafür nicht die Verantwortung übernehmen müssen und ihr Handeln mit  einen Verweis auf eine übergeordnete Autorität legitimieren können. Aber wenn es  gerade einmal 24 Stunden dauern würde, bis Menschen ohne äußeres Zutun zu brutalen und rücksichtslosen Sadisten werden – müsste es in unserer Welt nicht noch viel mehr Machtmissbrauch und Gewalt geben?

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